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Töpferei und Keramikmalerei

Aktualisiert: 13. Jan.

Celal Usta lugt durch den Türspalt. „Ihr seid es“, murmelt er, lässt uns eilig hineintreten und verriegelt hinter uns die Tür. „Ich möchte nicht gestört werden“, erklärt er sich, „wenn ich nicht abschließe, kommen zu viele Menschen und halten mich auf. Ich genieße es, hier allein zu sein, abzuschalten, mich auf meinen Ton zu konzentrieren, ihm eine Seele einzuhauchen.“ Der schüchterne, scheue Mann wird plötzlich ganz redselig, fast poetisch, als er über seinen Ton spricht. „Ich würde euch einen Tee anbieten, aber ich habe hier leider nur eine Teetasse“, sagt er und deutet auf die kleine Tasse neben dem Gaskocher, der unter dem Regal steht. Auf ihm stapeln sich Rohlinge von Vasen, Schalen und Statuen zum austrocknen. Ich kann mein Schmunzeln nicht verbergen. Es passt, dass dieser Mann, dessen liebster Freund sein Ton ist, keine zweite Tasse für einen anderen Menschen hat. Er mag eben wirklich keine Gesellschaft.

Mit 15 Jahren hat Celal Usta angefangen, Ton zu kneten und ihm die wunderbarsten Formen zu verleihen. „Seit 30 Jahren mache ich das jetzt“, erzählt er. 35 Jahre eigentlich, aber die ersten fünf Jahre als er selbst noch Lehrling war, die zählt er nicht. Ob er mal daran gedacht habe, etwas anderes zu machen, fragt Tarkan. „Nie“, sagt Celal Usta, ohne zögern, „ich liebe meine Arbeit: Wir wurden aus Erde erschaffen, daher birgt das Arbeiten mit Erde für den Menschen besondere Freude. Es beruhigt mich und gibt mir Frieden. Ich ruhe mich bei der Arbeit aus. Selbst wenn es nichts zu tun gäbe, genügt es mir, hierher zu kommen und diese Luft einzuatmen.“ Tatsächlich riecht es im ganzen Atelier ganz eigen, nach feuchter Erde und ich ziehe noch einmal ganz tief Luft in meine Lungen ein und versuche nachzuempfinden, was Celal Usta fühlt.

Ich zeige ihm die Form einer Tasse und erkläre ihm, dass wir in Deutschland unseren Kaffee gerne aus großen Pots trinken. „Die Tasse müsste vermutlich eine Höhe von elf Zentimetern haben“, meint Celal Usta. Er beginnt, den Ton zu kneten, teilt ihn, wirf ihn auf den Tisch, knetet ihn erneut. Im Hintergrund läuft türkische Volksmusik. Dann setzt er sich an die Drehscheibe und schaltet sie ein. Er möchte nicht gefilmt werden. Er möchte eins werden mit seinem Ton, ungestört, unbeobachtet. Der gerade noch fröhliche, aufgetaute Mann ist jetzt wieder ganz ernst, als würde er die Last der ganzen Welt auf seinen Schultern tragen. Als er seine Hand in den Ton eintaucht, ist es, als sei er selbst in eine andere Welt eingetaucht. Es ist verzaubernd, ihm dabei zuzusehen, wie er dem Klumpen vor ihm eine Form gibt. Ganz und gar mystisch. Als er die Drehscheibe wieder ausschaltet, hat der Gegenstand vor ihm genau die gleiche Form wie die Tasse, die ich ihm zuvor auf meinem Handy gezeigt hatte und ich kann meinen Augen kaum glauben. Er legt das Maßband an. „Elf Zentimer“, sagt er und jetzt kann ich es erst recht nicht fassen - auf den Millimeter genau!

Nachdem Celal Usta die Rohlinge formt, trocknet und brennt, übergibt er sie an Emine Hoca. Sie verziert sie mit unseren Mustern und Motiven, bevor die Keramik glasiert und nochmal gebrannt wird. Alle unsere Keramikprodukte werden so auf allen Herstellungsebenen von Hand gearbeitet. Bis ein Produkt fertig ist, dauert es Wochen.

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