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Kupferschmiederei

Aktualisiert: 13. Jan.


Mesut Usta hat das wärmste und ansteckendste Lächeln des ganzen Kupferschmiede-Markts. Fast jede türkische Stadt hat so einen Markt, in dem Atelier an Atelier Kupferschmiede aufgereiht sind. Möchte man sie finden, muss man in der Regel einfach dem Hämmern folgen.

Leider sind die meisten Märkte heute nur noch reine Touristenattraktionen und die wenigsten Gegenstände aus Kupfer sind hier tatsächlich noch von Hand graviert. Die meisten Tabletts, die hier über die Theken gehen, sind von schweren Maschinen gepresst und die wenigsten Käufer merken den Unterschied.

Früher war das anders. Noch meine Großeltern benutzten zum täglichen Kochen Töpfe aus Kupfer. Die mussten in regelmäßigen Abständen nachpoliert werden. Der Gang zum Kupferschmiede-Markt war für sie Routine und entsprechend ohrenbetäubend war die Geräuschkulisse von Hammer und Meißel, die aus dem Markt hallte. „Damals bekamen die Menschen Kopfschmerzen, wenn sie bei uns waren. Heute erklingt es nur noch hier und da“, sagt Mesut Usta.

Seit 38 Jahren hämmert Mesut Usta schon wunderschöne Motive auf Kupfer ein. Dass man mit Kraft so filigrane Muster zeichnen kann, wirkt nicht nur paradox, sondern fasziniert zugleich. Stundenlang könnte ich ihm dabei zusehen - wenn es nur nicht so laut wäre! „Wie hältst du das hier bloß aus?“, frage ich nach einigen Stunden in seinem Atelier. Er guckt mich verschmitzt an: „Auf mich wirkt das wie ein Schlaflied, es macht mich schläfrig“, sagt er und grinst: „Wenn ich einen Tag nicht arbeite, vermisse ich diesen Klang. Es ist, als sei unser Gehirn auf diesen Klang geprägt.“ Ich glaube ihm. Keine Sekunde kann er still halten, selbst als er es verspricht, hält er keine Minute durch, ohne zu hämmern - hämmernd unterhalten, hämmernd essen, hämmernd Tee trinken, das ist Mesut Ustas Welt. „Wenn ich Sonntags zu Hause bin und nicht arbeiten kann, wird mir langweilig“, sagt er. „Was meint deine Frau dazu?“, möchte ich wissen. „,Du bist schon lange genug zu Hause geblieben, geh’ schon, geh’, sagt sie“, meint er und natürlich lacht er dabei.

Wie es für ihn als Lehrling war, wollen wir wissen. Wie lernt man diese Schmiedekunst? „Mit dem Schlauch“, sagt Mesut Usta. Mit dem Schlauch? „Damals gab es noch die Gepflogenheit, dass man sein Kind mit den Worten: „Du bekommst das Fleisch, ich behalte die Knochen (1)“, in die Lehre gab“, erklärt er, „so lernst du aus Angst (vor dem Schlauch) alles. Zur unserer Zeit sagte man nicht, dass man etwas nicht konnte. Man sagte: „Natürlich, Usta“ und erledigte jede Aufgabe, die einem sein Usta gab.“

Aus seiner Lehrlingszeit kennt Mesut Usta auch die alten Motive, die heute kaum mehr graviert werden und die er für die NOA-Kollektion wieder zum Leben erweckt und Millimiter um Millimiter von Hand auf die Tabletts und Ölspender graviert hat.

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(1) Ein türkisches Sprichwort. Solange die Knochen ganz bleiben, gehört er dir. Du kannst mit ihm alles machen.

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