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Strickerei

Aktualisiert: 13. Jan.


Havva abla strickt sorgsam, fleißig und genau. Immer wieder schickt sie Fotos und Videos vom Prozess, meistens mit unverkennbarer Musik aus der Schwarzmeerregion der Türkei im Hintergrund. Ich muss darüber immer lachen. „Das muss sein“, meint sie. Sie sammelt und archiviert alte türkische Motive, um sie davor zu bewahren, gänzlich in Vergessenheit zu geraten. Wenn sie gerade nicht unterrichten muss, strickt sie in ihrem Haus in den Bergen auf 2.500 Metern Höhe inmitten einer malerischen Landschaft.

In diese habe ich mich schon vor Jahren verliebt, als ich ein paar Tage bei einer Familie aus Rize verbringen durfte, mit ihnen essen - und zwar nur das, wann man in dieser Region auch tatsächlich selbst anbauen kann, also zum Beispiel keine Tomaten - mit ihnen spazieren - immer entgegen der Richtung, in die die Bärentatzen auf unserem Weg zeigten - und Zeit mit Leyla verbringen- der eifersüchtigen Kuh, die auf der Weide immer angerannt kam, wenn man eine andere Kuh streicheln wollte. Die Hausherrin hatte sogar ihren „Puşi“, ein traditionelles Tuch dieser Region, ein 150 Jahre altes Erbstück aus ihrer Holztruhe geholt und es mir umgebunden. Ich fühlte mich wie eine Prinzessin und natürlich durfte ein Puşi daher auch nicht in unserer NOA-Kollektion fehlen. Havva abla hat Abend um Abend an ihm gearbeitet und sorgfältig Perle für Perle den Rand bestickt.

Auf diesen Höhen ist es abends selbst im Sommer recht frisch. Anfang September musste ich schon dicke Socken anziehen und so hatte ich mir damals mein erstes Paar Wollsocken im Rize-Stil besorgt, die die Frauen im Gebirge gestrickt hatten. Weil ich mich so unglaublich gern an diese Zeit erinnere, durften natürlich auch diese Socken bei NOA nicht fehlen. Sie sind alle aus Wolle und haben Blumen- oder Kilim-Motive und wenn Havva abla sie mit ihren fünf Stricknadeln strickt, sieht das für mich immer recht abenteuerlich aus. Tatsächlich arbeitet sie tagelang an einem Paar Socken, bis die schönen Muster vollendet sind. Die „Reyhan“ Socken mit den Blumen werden „Pullu“ bezeichnet und sind am aufwendigsten. Für sie spinnt Havva abla gemeinsam mit ihren Freundinnen die Wolle selbst. Absolute Hingucker!

Unsere Cardigans sind inspiriert vom Lebensbaum-Motiv aus der türkischen Mythologie. Der Lebensbaum (Hayat ağacı) symbolisiert die Ewigkeit, die Suche nach Unsterblichkeit und die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. In der Türkei begegnet er einem überall: An Gemäuern von Moscheen und Palästen, auf Porzellanmalerei und Gebetsteppichen, als Kette und Decke. Dieses Motiv hat Meral abla zum ersten Mal für uns gestrickt und wir lieben es einfach.

Mit Kleidungsstücken und Accessoires, die in unzähligen Arbeitsstunden von Hand gefertigt wurden, langsam, nachhaltig und fair produziert, wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, den Auswirkungen von Fast Fashion entgegenzuwirken.

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